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Die
Wahrheit:
Ganz so toll ist dieses Auto nun auch wieder nicht.
Der KIA Sorento ist ein zeitgemäßes Auto von der Stange. Wem es passt,
der hat ein Schnäppchen gemacht. Wer sich vom „Luxus“-SUV hat
locken lassen wird enttäuscht. Individualität ist vom Werk nicht
vorgesehen, ein ernster Vergleich mit ML oder X5 absurd. Die KIA-Händler
müssen aufräumen.
Heute 90 Testminuten:
1. Der KIA-Händler:
Zur Probefahrt mit Termin hatte ich überlegt rauszubekommen, ob das
„Porsche-Fahrwerk“ verbaut ist. Ferner hätte mich interessiert,
welche Lösung er für die Nachrüstung des Tempomat vorschlägt und ob
die Vollverzinkung der Karosserie eine österreichische Spezialität
ist, oder im Deutschen Prospekt vergessen wurde.
Auf einem schmuddeligen Hof mit Krach und Gestank fand ich eine Sekretärin
vor, die Mühe hatte den Schlüssel des Fahrzeugs zu finden. Ein Verkäufer
oder Techniker war nicht da.
2. Das Fahrzeug:
KIA Sorento EX in Silber mit Seitenbeplankung in Anthrazit, Leder und
5-Gang. Optisch positiv, bullig, sportlich, modern, ansehnlich. Die
erste Berührung mit dem Türgriff, gut, griffig, beim öffnen der Tür
hat man ein solides Bauteil in der Hand, innen: geordnet, harmonisch,
schlicht.
Die Fahrersitzeinstellung, ein Drücken nach vorne, Verstellung der
Lehne, aha, intuitiv richtig gemacht. Unproblematische Einstellung. Dann
nehme ich Platz, sitze gleich gut, meine Kamera, Zollstock, Schlüssel
verschwinden in den Ablagen. Ich steige wieder aus, die Tür fällt mit
einem satten „fopp“ ins Schloss.
Jetzt der Kindersitz, der äußere Gurt passt nicht ins Gurtschloss, was
ist hier los? Ah, jetzt, dieses Gurtschloss ist für den Drei-Punkt Gurt
des mittleren Sitz gedacht. Durchdachte Lösung um falsches Anschnallen
zu verhindern.
3. Die Fahrt:
Mit leichtem Ruckeln fahren wir vom Hof, die Bedienungselemente sind
korrekt platziert, lassen sich sofort leicht benutzen, gute Übersicht.
Der Motor ist kernig, gut zu hören, nagelt nicht, zieht prompt los. Das
Fahrzeug verhält sich mit seinen 2 Tonnen und seinem hohen Schwerpunkt
sowie den fetten Reifen ein kleines bisschen störrisch, nicht ganz so
komfortabel wie ein PKW. Die Lenkung spricht nicht sehr exakt an, was
aber auch an den Reifen liegen könnte (Doch noch kein
„Porsche-Fahrwerk“?). Stadtverkehr, geht alles wie geschmiert, beim
Beschleunigen erster gewesen, Drehzahl ab 4000 schon im roten Bereich.
Kurzer Stop auf dem ersten Parkplatz, die Bremsen dürften etwas
bissiger sein. Dann Landstrasse, wieder das leicht störrische auf den
Fahrbahnunebenheiten. Mein Sohn spielt hinten mit dem Fensterheber. Die
Maschine ist o.k. kein Dampfhammer, aber für normale Fahrt reicht es.
Erneuter Halt, Fahrerwechsel.
Auf dem Parkplatz Inspektion: Getrennt zu öffnende Heckklappe, wozu
eigentlich? Das Heck ist so hoch, dass es unbequem ist, etwas in die
Luke zu schmeißen. Kofferraum, wie geht der auf? Mit dem Schlüssel?
Ah, Öffner bei der Kennzeichenbeleuchtung. Klappe auf: Mmm, hätte ich
mir größer vorgestellt. Meine Frau legt den linken Teil der Sitzbank
um, funktioniert gut, Ebener Boden, o.k.
Mein Sohn testet alle Klappen, familientaugliche Zahl an Getränkehaltern,
Platz für Geraffel. Überall 12-Volt Steckdosen, wozu das? Kühlboxen,
je nach Beladung unterschiedliche Plätze, verstehe, macht Sinn. Jetzt
erneut die Platzfrage, wie viel Platz habe ich (176cm) auf dem
Beifahrersitz, wenn mein Sohn im Kindersitz hinter mir sitzt?
Ausreichend, nicht üppig, aber durch die Fahrzeugbreite und Sitzhöhe
reicht es.
Jetzt stellt meine Frau sich alles ein, testet den Zweck jedes
Schalters, verschafft sich schnell einen Überblick, Nebelleuchten
vorne? Hinten, „schau bitte mal“, aha, sogar beidseitige Nebelrückleuchte,
hübsche Heckbeleuchtung, und vorne, aha, der Drehschalter an der Lenksäule
macht das. Blick von vorne, ja, macht einen klaren unaufdringlichen
Eindruck. Es bleibt kein Knopf unklar.
Jetzt Rangieren auf dem Parkplatz, Einparken, rückwärts, vorwärts,
geht alles easy.
Weiterfahrt, erhebende Sitzposition, spürbar mehr Respekt der übrigen
Verkehrsteilnehmer als mit unserem PKW. „Schalt doch mal die kalte
Klimaanlage aus, nee Schatz ich stelle einfach die Temperatur höher,
das ist eine Klimaautomatik.“ Angenehme Klimatisierung, kein Zug.
Rückfahrt, meine Frau lächelt, er gefällt ihr. Leichtes Unwohlsein im
Kopf vom intensiven Geruch im Innenraum. Ich steige nach hinten um, die
Mittelarmlehne geht sehr schwer. Ich bemerke die etwas zu kurze Sitzfläche.
Das Motorengeräusch klingt jetzt flach.
Ankunft KIA-Händler, Blick in den Motorraum, die farbigen Einfüllstellen
für Verbrauchsflüssigkeiten sind gut zugänglich, auch, o.k..
Schlüssel zurück, sonst kein Gespräch, keine Frage, der Prospekt,
Preisliste, auf Wiedersehen.
4. Das Fazit:
Das Interesse für dieses Auto hat sich gelohnt, möglich, dass wir ihn
im nächsten Jahr kaufen werden. Gute Alternativen muss man erst mal
finden.
Schattenseiten:
Etwas weniger Rumpeln und Wackeln auf der Landstrasse würde den Sorento
zum angenehmen Cruiser machen, hierzu fehlt außerdem der Tempomat.
Peinlich, dass es so kompliziert ist, den einzubauen.
10cm mehr Länge hätten nicht geschadet, davon 3 für die Rückbank,7 für
den Kofferraum.
Wer immer noch einen Vergleich zu BMW oder Mercedes ziehen möchte,
folgende Kur:
1. Studium der 16 DIN-A4 Seiten Sonderausstattungen beim BMW X5 unter
besonderer Berücksichtigung der 1. Seite mit den elektronischen Brems-
und Stabilitätssystemen.
2. Befestigen Sie einen Kindersitz mit ISOFIX-Befestigungsstandard auf
einem Rücksitz oder zeigen Sie mir Schalter/Kontrolleuchte für die
automatische Kindersitz-erkennung des Beifahrersitzes.
3. Ziehen Sie bitte die Außenantenne des Sorento mit der Hand heraus
und denken Sie 5 Minuten darüber nach, was das Wort LUXUS für Sie
bedeutet.
4. Legen Sie auf einem Parkplatz den 6. Gang des Sorento mit
Niveauregulierung ein und überprüfen Sie, ob der Bootstrailer die
Strasse berührt.
5. Verschieben Sie die Rückbank des KIA Sorento um eine Stufe nach
vorne.
6. Schalten Sie Lenkradkranz-Waschdüsen- und Standheizung ein.
7. Schauen Sie sich „Herr der Ringe“ auf DVD auf der Rückbank des
Sorento an.
8. Nehmen Sie sich einen Zollstock, fahren zum Mercedes Händler und
vergleichen den Durchmesser des Sterns mit dem KIA-Emblem im Kühlergrill.
9. Fragen sie den gepflegten Herrn nach einer Probefahrt mit dem
ML400CDI oder ML55.
10. Fahren Sie auf die Autobahn direkt auf die linke Spur und zählen
bitte 30 Minuten die Anzahl der Autos vor Ihnen, wegen der Sie bremsen müssen.
11. Steigen Sie jetzt wieder in den Sorento und fahren auf dieselbe
Autobahn, wieder auf die linke Spur und zählen die Autos in Ihrem Rückspiegel,
die wegen Ihnen bremsen müssen.
Positiv, u.a.:
- 3 Jahre Garantie ist bei dieser Neukonstruktion bares Geld wert. Danke
KIA
- Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Getrennt umzulegende Rückbank mit getrennt aufstellbarer Sitzfläche
führt zu ebenem Kofferraumboden auf einer Seite.
- Ausdrücklich leichte und transparente Bedienbarkeit.
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