Marko aus Deutschland über seine Probefahrt im Kia Sorento:

Die Wahrheit:

Ganz so toll ist dieses Auto nun auch wieder nicht.

Der KIA Sorento ist ein zeitgemäßes Auto von der Stange. Wem es passt, der hat ein Schnäppchen gemacht. Wer sich vom „Luxus“-SUV hat locken lassen wird enttäuscht. Individualität ist vom Werk nicht vorgesehen, ein ernster Vergleich mit ML oder X5 absurd. Die KIA-Händler müssen aufräumen.

Heute 90 Testminuten:


1. Der KIA-Händler:


Zur Probefahrt mit Termin hatte ich überlegt rauszubekommen, ob das „Porsche-Fahrwerk“ verbaut ist. Ferner hätte mich interessiert, welche Lösung er für die Nachrüstung des Tempomat vorschlägt und ob die Vollverzinkung der Karosserie eine österreichische Spezialität ist, oder im Deutschen Prospekt vergessen wurde.
Auf einem schmuddeligen Hof mit Krach und Gestank fand ich eine Sekretärin vor, die Mühe hatte den Schlüssel des Fahrzeugs zu finden. Ein Verkäufer oder Techniker war nicht da.


2. Das Fahrzeug:


KIA Sorento EX in Silber mit Seitenbeplankung in Anthrazit, Leder und 5-Gang. Optisch positiv, bullig, sportlich, modern, ansehnlich. Die erste Berührung mit dem Türgriff, gut, griffig, beim öffnen der Tür hat man ein solides Bauteil in der Hand, innen: geordnet, harmonisch, schlicht.
Die Fahrersitzeinstellung, ein Drücken nach vorne, Verstellung der Lehne, aha, intuitiv richtig gemacht. Unproblematische Einstellung. Dann nehme ich Platz, sitze gleich gut, meine Kamera, Zollstock, Schlüssel verschwinden in den Ablagen. Ich steige wieder aus, die Tür fällt mit einem satten „fopp“ ins Schloss.
Jetzt der Kindersitz, der äußere Gurt passt nicht ins Gurtschloss, was ist hier los? Ah, jetzt, dieses Gurtschloss ist für den Drei-Punkt Gurt des mittleren Sitz gedacht. Durchdachte Lösung um falsches Anschnallen zu verhindern.


3. Die Fahrt:


Mit leichtem Ruckeln fahren wir vom Hof, die Bedienungselemente sind korrekt platziert, lassen sich sofort leicht benutzen, gute Übersicht. Der Motor ist kernig, gut zu hören, nagelt nicht, zieht prompt los. Das Fahrzeug verhält sich mit seinen 2 Tonnen und seinem hohen Schwerpunkt sowie den fetten Reifen ein kleines bisschen störrisch, nicht ganz so komfortabel wie ein PKW. Die Lenkung spricht nicht sehr exakt an, was aber auch an den Reifen liegen könnte (Doch noch kein „Porsche-Fahrwerk“?). Stadtverkehr, geht alles wie geschmiert, beim Beschleunigen erster gewesen, Drehzahl ab 4000 schon im roten Bereich. Kurzer Stop auf dem ersten Parkplatz, die Bremsen dürften etwas bissiger sein. Dann Landstrasse, wieder das leicht störrische auf den Fahrbahnunebenheiten. Mein Sohn spielt hinten mit dem Fensterheber. Die Maschine ist o.k. kein Dampfhammer, aber für normale Fahrt reicht es. Erneuter Halt, Fahrerwechsel.
Auf dem Parkplatz Inspektion: Getrennt zu öffnende Heckklappe, wozu eigentlich? Das Heck ist so hoch, dass es unbequem ist, etwas in die Luke zu schmeißen. Kofferraum, wie geht der auf? Mit dem Schlüssel? Ah, Öffner bei der Kennzeichenbeleuchtung. Klappe auf: Mmm, hätte ich mir größer vorgestellt. Meine Frau legt den linken Teil der Sitzbank um, funktioniert gut, Ebener Boden, o.k.
Mein Sohn testet alle Klappen, familientaugliche Zahl an Getränkehaltern, Platz für Geraffel. Überall 12-Volt Steckdosen, wozu das? Kühlboxen, je nach Beladung unterschiedliche Plätze, verstehe, macht Sinn. Jetzt erneut die Platzfrage, wie viel Platz habe ich (176cm) auf dem Beifahrersitz, wenn mein Sohn im Kindersitz hinter mir sitzt? Ausreichend, nicht üppig, aber durch die Fahrzeugbreite und Sitzhöhe reicht es.
Jetzt stellt meine Frau sich alles ein, testet den Zweck jedes Schalters, verschafft sich schnell einen Überblick, Nebelleuchten vorne? Hinten, „schau bitte mal“, aha, sogar beidseitige Nebelrückleuchte, hübsche Heckbeleuchtung, und vorne, aha, der Drehschalter an der Lenksäule macht das. Blick von vorne, ja, macht einen klaren unaufdringlichen Eindruck. Es bleibt kein Knopf unklar.
Jetzt Rangieren auf dem Parkplatz, Einparken, rückwärts, vorwärts, geht alles easy.
Weiterfahrt, erhebende Sitzposition, spürbar mehr Respekt der übrigen Verkehrsteilnehmer als mit unserem PKW. „Schalt doch mal die kalte Klimaanlage aus, nee Schatz ich stelle einfach die Temperatur höher, das ist eine Klimaautomatik.“ Angenehme Klimatisierung, kein Zug.

Rückfahrt, meine Frau lächelt, er gefällt ihr. Leichtes Unwohlsein im Kopf vom intensiven Geruch im Innenraum. Ich steige nach hinten um, die Mittelarmlehne geht sehr schwer. Ich bemerke die etwas zu kurze Sitzfläche. Das Motorengeräusch klingt jetzt flach.

Ankunft KIA-Händler, Blick in den Motorraum, die farbigen Einfüllstellen für Verbrauchsflüssigkeiten sind gut zugänglich, auch, o.k..
Schlüssel zurück, sonst kein Gespräch, keine Frage, der Prospekt, Preisliste, auf Wiedersehen.


4. Das Fazit:


Das Interesse für dieses Auto hat sich gelohnt, möglich, dass wir ihn im nächsten Jahr kaufen werden. Gute Alternativen muss man erst mal finden.

 

 

Schattenseiten:


Etwas weniger Rumpeln und Wackeln auf der Landstrasse würde den Sorento zum angenehmen Cruiser machen, hierzu fehlt außerdem der Tempomat. Peinlich, dass es so kompliziert ist, den einzubauen.
10cm mehr Länge hätten nicht geschadet, davon 3 für die Rückbank,7 für den Kofferraum.

Wer immer noch einen Vergleich zu BMW oder Mercedes ziehen möchte, folgende Kur:

1. Studium der 16 DIN-A4 Seiten Sonderausstattungen beim BMW X5 unter besonderer Berücksichtigung der 1. Seite mit den elektronischen Brems- und Stabilitätssystemen.
2. Befestigen Sie einen Kindersitz mit ISOFIX-Befestigungsstandard auf einem Rücksitz oder zeigen Sie mir Schalter/Kontrolleuchte für die automatische Kindersitz-erkennung des Beifahrersitzes.
3. Ziehen Sie bitte die Außenantenne des Sorento mit der Hand heraus und denken Sie 5 Minuten darüber nach, was das Wort LUXUS für Sie bedeutet.
4. Legen Sie auf einem Parkplatz den 6. Gang des Sorento mit Niveauregulierung ein und überprüfen Sie, ob der Bootstrailer die Strasse berührt.
5. Verschieben Sie die Rückbank des KIA Sorento um eine Stufe nach vorne.
6. Schalten Sie Lenkradkranz-Waschdüsen- und Standheizung ein.
7. Schauen Sie sich „Herr der Ringe“ auf DVD auf der Rückbank des Sorento an.
8. Nehmen Sie sich einen Zollstock, fahren zum Mercedes Händler und vergleichen den Durchmesser des Sterns mit dem KIA-Emblem im Kühlergrill.
9. Fragen sie den gepflegten Herrn nach einer Probefahrt mit dem ML400CDI oder ML55.
10. Fahren Sie auf die Autobahn direkt auf die linke Spur und zählen bitte 30 Minuten die Anzahl der Autos vor Ihnen, wegen der Sie bremsen müssen.
11. Steigen Sie jetzt wieder in den Sorento und fahren auf dieselbe Autobahn, wieder auf die linke Spur und zählen die Autos in Ihrem Rückspiegel, die wegen Ihnen bremsen müssen.


Positiv, u.a.:


- 3 Jahre Garantie ist bei dieser Neukonstruktion bares Geld wert. Danke KIA
- Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Getrennt umzulegende Rückbank mit getrennt aufstellbarer Sitzfläche führt zu ebenem Kofferraumboden auf einer Seite.
- Ausdrücklich leichte und transparente Bedienbarkeit.