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Testfahrt
im Kia Sorento am 22.08.2002
Fahrzeug:
Sorento EX, TDI, Leder, silber/grau
Kennenlernphase
Den
ersten Blick durften wir auf den Sorento im Frühjahr dieses Jahres
werfen, als er seine Deutschlandpremiere auf der Automobilmesse in
Leipzig feierte. Gefallen hat er uns damals schon aber in der riesigen
Messehalle haben wir ein Detail übersehen:
Der
Sorento ist verdammt groß! Dies fällt erst auf, wenn man den
Boliden in bekannter Umgebung stehen sieht. Neben ihm scheint der
Sportage z.B. Golfdimensionen anzunehmen. Aber bei aller Größe - die
Linien sind geschickt gezogen - der Sorento wirkt kompakt-bullig, ja
fast dynamisch. Er nimmt eine leichte Keilstellung ein, was wohl an der
Fahrwerksabstimmung durch Porsche liegen mag. Zumindest ist uns dies auf
den Bildern aus den USA nicht aufgefallen und dort rollt er ja
bekanntlich auf weicheren Füßen...
Bei
näheren Betrachen fällt an der Karosserie positiv auf, dass die
Radkästenverbreiterungen, sowie alle gesondert lackierten Teile der
unteren Karosserie nur aufgesetzt sind. Dies hat natürlich bei
eventuellen Blechschäden Vorteile: Die Verbreiterungen markieren die
breitesten Stellen des Sorento und werden wohl bei leichten Havarien
zuerst beschädigt. Deren Austausch, bzw. Lackierung ist wesentlich
günstiger, als wenn die komplette Tür oder ein kompletter Kotflügel
einen Schaden nehmen würde.
Auf
Nachfrage beim KFZ Meister können wir nun verlässlich Auskunft geben
über die Verzinkung der Karosserie: Diese ist teilverzinkt, Kia Motors
gewährt 6 Jahre Garantie gegen Durchrostung.
Die
inneren Werte
Schon
beim Öffnen der Türen vermitteln die satt rastenden Griffe ein Gefühl
von Hochwertigkeit. Der Testwagen ist zwar mit Leder bestückt aber der
typische Ledergeruch bleibt aus: Das Leder selbst wirkt auch nicht wie
frisch vom Rind, sondern eher frisch aus der Kunststoffküche. Es ist
aber auf jeden Fall eine Aufwertung gegenüber den oft kitschig
anmutenden Stoffbezügen, die Kia in der Vergangenheit verbaut hat. Das
Leder wirkt gut verarbeitet, die Sitze sind komfortabel und bieten für
einen Offroader akzeptablen Seitenhalt. Alle Schalter, die Augen und
Hände erfassen und ertasten können haben eine hochwertige
Qualitätsanmutung und können fast an die Verarbeitung
von so manchem
"Hochpreisanbieter" heranreichen. Eine Verarbeitung wie in
einem Daimler, Audi oder BMW zu erwarten ist natürlich vermessen.
Der
Zierrat aus Alu- , bzw. Holzimitationen lockert das ansonsten sehr graue
Interieur auf. Die Oberflächen sind vor allem an den inneren
Türgriffen etwas zu hart geraten, wissen aber optisch zu
überzeugen. Das Lenkrad liegt hervorragend in der Hand, die
Instrumente
sind logisch angeordnet und sehr hochwertig mit Aludetails umgesetzt.
Die
elektrische Sitzverstellung für den Fahrer funktioniert nahezu
geräuschlos und verspricht eine optimale Anpassung für jede
Körpergröße. Der Schalter liegt zwar gut in der Hand und die
Einstellung klappt intuitiv aber man hätte an dieser Stelle
hochwertigere, griffigere Materialien verwenden können. Zumal die
elektrische Verstellung Sonderzubehör im Rahmen des Lederpakets ist...
Lässt
man seinen Blick nach hinten durch den wirklich sehr geräumigen
Innenraum schweifen, will man am liebsten Familie, Hund und
Campingausrüstung einpacken und ab in den Süden fahren. Die Atmosphäre
im Sorento ist hochwertig-entspannend. Dem Komfort dienlich sind
weiterhin die zahllosen Ablage und Unterbringungsmöglichkeiten, sowie
12 Volt Anschlüsse an den wichtigsten Stellen.
Das
Staufach zwischen den beiden Vordersitzen ist etwas zu schwer zu öffnen
- vielleicht schafft hier der Dauerbetrieb Abhilfe. Nimmt man hinten
Platz fällt der Blick auf die etwas billig anmutende Mittelkonsole, die
ein Ablagefach, sowie einen Aschenbecher beheimatet. Dieser wirkt beim
Öffnen klapprig. Ansonsten kann man sich auf den hinteren Plätzen lang
machen. Leider hat man zugunsten einer sehr großzügigen Kopffreiheit
die Sitzbank etwas zu niedrig angeordnet. Sehr große Menschen haben
also genügend Platz aber werden wenig Beinauflagefläche nutzen
können, weil die Beine angewinkelt werden.
Das
erste Mal
Genug
der Worte. Sitze waagrecht, Gurte fest. Los gehts!
Beim
Drehen des Zündschlüssels die erste (im positiven Sinne)
Enttäuschung:
Kein
kerniges Nageln, das Urgewalten verspricht, sondern ein kultiviertes
Brummen, begleitet von einem kaum hörbaren "Dieselstottern".
Kia hat anscheinend die zwei Tonnen Stahl intelligent genug verteilt, um
für eine wirklich geräuscharme Kulisse zu sorgen.
Wir
verlassen den Hof und gleiten bei Innenstadttempo durch den dichten
Verkehr dahin. Ja richtig gelesen - gleiten:
Die
sehr leichtgängige Lenkung (etwas gewöhnungsbedürftig) und die (fast)
totale akustische Abschirmung von der Außenwelt in Kombination mit der
hohen Sitzposition schaffen ein Gefühl von Überlegenheit.
Ob
man dies auch von den Fahrleistungen behaupten kann und was Porsche bei
der Fahrwerksabstimmung geleistet hat soll eine "sportliche"
Fahrt hinauf zum Hausberg auf einer winkligen Asphaltstraße zeigen:
Bei
einem Gesamtgewicht von über zwei Tonnen und einer
Offroad-Konfiguration von "sportlich" zu sprechen entbehrt
eigentlich jeder Argumentationsgrundlage aber der Sorento
"liegt" recht gut auf der Straße: Dritter Gang, immer in der
Nähe des Drehzahloptimums bergauf durch sehr enge Kurven - Tempo um die
80km/h ... Nichts bringt den Sorento aus der Ruhe.
Wir
wollen es wissen und nehmen die letzte Kurve am Limit des für einen SUV
physisch machbaren.
Auf
dem leicht feuchten Untergrund droht der Sorento mit einem ausbrechenden
Heck, das man es mit ihm flott aber gelassen angehen lassen sollte.
Noch
bevor wir die Vorderräder in "Driftstellung" bringen können,
holt uns das Fahrzeug mit dem einsetzenden 4 Wheel Drive zurück auf die
Idealspur. Ein kurzes Aufschaukeln noch am Kurvenende und dann Ruhe. Überzeugende
Vorstellung.
Das Fahrwerk
des Sorento erscheint (so komisch es klingen mag) auf den ersten paar
Zentimetern des Federwegs straff zu sein. Dies unterstreicht die
Tatsache, dass das Überfahren von Kanaldeckeln und schnellen
Bodenwellen recht ungefiltert in den Allerwertesten übertragen wird.
Oben
am Hausberg angekommen würden wir nur zu gerne die Geländeuntersetzung
einlegen und die Kletterkünste des Sorento testen - aber diese
Erfahrung müssen wir wohl auf einen der nächsten Newsletter
verschieben. Der von uns bewegte Wagen ist der aktuell einzige
Vorführwagen auf dem Hof unseres Händlers und die Kaufinteressenten
stehen Schlange... Also - Schonwaschgang!
Gelassen
treten wir die Rückreise an - aber nicht ohne vorher einen Abstecher
auf den "Highway" zu machen. In der ländlichen Testumgebung
ist leider ein Autobahntest nicht möglich (kommt noch, versprochen!),
also müssen wir uns mit Geschwindigkeiten unter 160 zufrieden geben.
Beim
Herausbeschleunigen aus dem Ort fällt auf, das der nutzbare
Drehzahlbereich fast etwas zu eng gesteckt scheint. Der zweite und der
dritte Gang werden zügig durchfahren. Bei ca. 3700 bis 4000 U/min ist
jeweils Schluss. Tempo Hundert ist im dritten Gang gerade so zu packen -
ökonomischer noch wäre es, den vierten Gang zu nutzen, um die
Hundert-KMH-Grenze zügiger zu durchbrechen. Apropos vierter Gang: Hier
macht der Sorento am meisten Spaß (auf Asphalt!!!): Tempo 80 und dann
Durchtreten: Die Kraftentfaltung ist eindrucksvoll - Überholmanöver
von LKWs sollten ein Kinderspiel sein. Alle anderen Verkehrsteilnehmer
sollte man jedoch nur mit einer gehörigen Portion Anlauf überholen,
denn die Beschleunigung von 110 auf 130 geht dem Sorento schon nicht
mehr so leicht von der Hand. Ab Tempo 150 heißt es warten - dann lässt
sich der SUV im fünften Gang schon zweimal bitten, um ein Gefühl von
Beschleunigung zu vermitteln. Aufgrund der Fahreindrücke bei Tempo 150
(Innenraumgeräusch auf gutem Benz-Niveau) vermuten wir eine
Endgeschwindigkeit von ca. 180 km/h. Zumindest verspricht dies der
verbleibende Rest des Drehzahlbandes (natürlich steht dessen
vollständige Ausnutzung die mächtige Stirnseite des Sorento im Weg! - Luftwiderstand!)
Trennung
auf Zeit
Beim
Rangieren auf dem Hof des Autohauses fällt uns auf, was wir in der
euphorischen Aufbruchstimmung nicht bemerkten: Der Sorento hat eine
kleine "Anfahrschwäche": Bis zu einer Drehzahl von 2000 U/min
scheint er nicht so richtig von der Stelle zu kommen und genehmigt sich
nach dem Lösen der Kupplung eine kleine Gedenkpause: Diese Schwäche
wird aber wohl erst dann von Bedeutung, wenn ein voll beladener
Anhänger am Sorento hängt. Oder muss der Motor einfach vernünftig
eingefahren werden?!
Vernünftig
müssen auch wir bleiben: Bis zur Auslieferung der Kundenfahrzeuge wird
es voraussichtlich noch bis Mitte/Ende September dauern (ohne Gewähr!).
Hoffentlich können wir bis dahin darauf verzichten den Betreibern des
Autohauses die Pistole auf die Brust zu setzen, um noch eine Runde im
Sorento drehen zu dürfen...
Aber
unser Webmaster sitzt ja an der Quelle: Seine Eltern sind die Inhaber
des Autohaus Popp - wer wird schon dem eigenen Sohn eine Probefahrt
verweigern? Lasst uns zusammen hoffen, dass der Kundenansturm derart
groß ist, dass die Eltern des Webmasters keine
Gelegenheit haben diesen "Testbericht" zu lesen. Dann droht
Sorento-Entzug!
Grüße,
Ihr
Sorento-Forum-Team!

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